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Motorrad-News vom 25.03.2001
Gebrauchtkauf leicht gemacht - Tipps für künftige Motorradbesitzer
Spätestens mit den ersten Sonnenstrahlen schlägt das Herz der Motorradfans höher. Wer jetzt noch keine Maschine sein Eigen nennt, sollte sich beeilen. Was es beim Kauf eines gebrauchten Bikes zu beachten gilt, klärt der folgende Artikel.
Die eisige Kraft des Winters erlischt, das Frühjahr naht. Und schon beginnt es, dieses eigenartige Kribbeln im Bauch der Zweiradfans. Ein Motorrad muss her - sofort! Eine gute Gebrauchte - warum nicht? Den rund 170.000 Neumaschinen, die im Jahr 2000 in Deutschland abgesetzt wurden, steht immerhin ein Heer von über 400.000 Second-Hand-Motorrädern entgegen, die im gleichen Zeitraum den Besitzer wechselten. Wie im Automobilbereich diktieren auch bei den Motorrädern aus zweiter Hand Angebot und Nachfrage die Preise. Wer Annoncenblätter, Tageszeitungen und Fachpresse durchforstet, wird feststellen, dass das Angebot an älteren Mittelklassemotorrädern Made in Japan die Nachfrage bei weitem übersteigt.
Oft sind diese Maschinen jedoch von dem in der Kleinanzeige angepriesenen Erhaltungszustand um Lichtjahre entfernt und erbringen daher in den meisten Fällen nicht den vom Besitzer verlangten Preis. Ebenso rar und teuer wie gefragt sind dagegen exklusive Motorräder von Edelmarken wie Harley-Davidson oder BMW sowie jüngere japanische Maschinen mit geringer Kilometerleistung. Wer zum günstigen Kurs ein zwei bis drei Jahre altes, unfallfreies und Werkstatt gepflegtes Motorrad aus Erstbesitz ergattern will, hat es am schwersten.
Gute Chancen für Gebrauchtkäufer bieten sich aber bei Modellwechseln der Hersteller und bei anhaltend schlechtem Wetter. Wie beim Cabriokauf gilt auch fürs Zweirad: Wer bereits im Herbst oder Winter auf die Suche geht, zahlt meist weniger als derjenige, dem erst angesichts der ersten Sonnenstrahlen die Idee kommt, ein Fahrzeug anzuschaffen.
Der Besuch beim Motorradhändler lohnt allemal: Selbst wenn man hier nicht die Maschine seiner Träume findet, kann man zumindest realistische Preise für das anvisierte Gebrauchtmotorrad erfragen. Für den Kauf im Fachhandel sprechen die Garantien, die viele Händler mittlerweile auf Second-Hand-Maschinen geben. Der Kauf von Privat ist zwar oft billiger, vielfach aber auch riskanter.

Daher gilt es, einige grundlegende Tipps zu beherzigen.
- Private Besichtigungstermine sollten möglichst nicht auf den Abend gelegt werden. Tageslicht offenbart Mängel schonungsloser, als die 40-Watt-Birne in der Garage des Verkäufers.
- Zur ersten Begutachtung der Maschine empfiehlt es sich außerdem, einen fachkundigen Begleiter mitzunehmen, denn schließlich sehen vier Augen mehr als zwei und man hat im Zweifelsfalle einen Zeugen für Aussagen des Vorbesitzers.
- Eine vorab erstellte Checkliste erspart dem potenziellen Käufer böse Überraschungen. Man beginnt mit der einfachen Sichtprüfung. Ist der Lack in Ordnung? Tritt nirgendwo an Motor, Gabel oder an den Federbeinen Öl aus? Zeigen die Bremsscheiben keine Riefen? Nagt kein Rost am Auspuff, Rahmen oder im Inneren des Tanks?
- Auch der Zustand von Griff- und Fußrastengummis verdient einen prüfenden Blick. Er gibt dem Interessenten Aufschluss darüber, ob der vom Verkäufer angegebene Kilometerstand den Tatsachen entspricht.
- Befinden sich Verschleißteile wie Reifen oder Kette in schlechtem Zustand, kann in jedem Fall über die Höhe des Kaufpreises diskutiert werden.
- Wie beim TÜV sollten nun in Ruhe alle elektrischen Funktionen des Fahrzeugs überprüft werden. Durch Rütteln und sanftes Schwenken der Gabel bei entlastetem Vorderrad kontrolliert man Spiel und Sitz des Lenkkopflagers. Rastet das Lager spürbar, ist es defekt.
- Neben sämtlichen Schlüsseln sollten natürlich auch die Fahrzeugpapiere vorhanden sein - und gecheckt werden. Schließlich ist so manches Zubehörteil eintragungspflichtig. Außerdem, lohnt ein Vergleich der in den Papieren eingetragenen Fahrgestellnummer mit der Angabe am Lenkkopf der Maschine. Stimmt die Nummer nicht überein, ist vom Kauf des Fahrzeugs dringend abzuraten.
- Zu achten ist außerdem auf Unfallspuren. Die untere Gabelbrücke, die Gabel selbst und die Räder, sollten einer intensiven Prüfung unterzogen werden. Lange, tiefe Kratzer an Auspuff, Schalt- und Bremshebeln oder an Kunststoffteilen deuten meist auf einen Sturz hin, der schlimmstenfalls zu einer Deformation des Rahmens geführt haben könnte. In solchen Fällen ist Vorsicht geboten!
- Auf eine Probefahrt sollte kein Interessent verzichten. Beim Starten des Motors entlarvt ein schlapp drehender Anlasser auf Anhieb eine kraftlose Batterie, die ersetzt werden muss. Auch der Klang des kalten und des betriebswarmen Triebwerks ist von Belang. Auffällige Geräusche könnten erste Anzeichen eines Motorschadens sein. In einem solchen Fall kommen erhebliche Kosten auf den neuen Besitzer zu.
- Sind die Würfel erst gefallen, sollte in jedem Fall ein schriftlicher Kaufvertrag abgeschlossen werden, in dem Zusicherungen des Käufers - etwa der unfallfreie Zustand des Fahrzeugs - schriftlich fixiert werden. Am besten bringt der Interessent den Vertrag gleich in doppelter Ausfertigung mit. Vordrucke gibt es unter anderem bei Versicherern und Automobilclubs.
Wer alles beachtet hat, startet nun sorgenfrei in eine sonnige Saison.